Bandscheibenvorfälle anders behandeln mit dem Münchner Rückenschmerzmodell

Ein weit verbreitetes Märchen: Die Mehrheit aller Bandscheibenvorfälle an Lenden- oder Halswirbelsäule (LWS/HWS) erfordert eine Operation. Tatsächlich werden in Deutschland 100.000 Bandscheibenoperationen pro Jahr durchgeführt. Viele davon sind jedoch vermeidbar! 

In unserer Zweitmeinungssprechstunde machen wir in 8 von 10 Fällen einen alternativen Therapievorschlag und können auf eine Operation verzichten. Das Münchner Rückenschmerzmodell nach Dr. Gall hilft bei der Einleitung eines Perspektivwechsels und der Suche nach sanften Therapien.

Akute Bandscheibenvorfälle müssen nur im Ausnahmefall operiert werden!

Von 2007 bis 2015 war laut Bertelsmann Stiftung ein Anstieg der Bandscheibenoperationen in Deutschland um 71 % zu verzeichnen. Im Gegensatz dazu blieb die Häufigkeit von Bandscheibenvorfällen in der Gesamtbevölkerung gleich. Tatsächlich sind operative Eingriffe nur bei 1-3 % aller nachgewiesenen Bandscheibenvorfälle notwendig.

Typische Notfallsymptome eines Bandscheibenvorfalls sind Lähmungserscheinungen in der betroffenen Extremität. Bei Nachweis eines entsprechenden Bandscheibenvorfalles in der Bildgebung ist eine rasche Operation unumgänglich. Eine Störung der Blasen- oder Mastdarmfunktion im Sinne einer Inkontinenz oder eines Urin- und Stuhlverhaltes muss ebenfalls rasch operativ behandelt werden.

Sollte nach 12 Wochen adäquater konservativer Therapie keine ausreichende Schmerzminderung eingetreten sein und die Symptome eindeutig auf einen Bandscheibenvorfall zurückgeführt werden können, kann eine Operation erwogen werden. Eine Bandscheibenoperation ist also erst nach Ausschöpfen der konservativen Maßnahmen sinnvoll. Wir halten uns an diese Empfehlung der medizinischen Fachgesellschaften und erreichen in der Regel mit konservativen Verfahren das gewünschte Therapieziel. 

Zu den konservativen Verfahren gehören MedikamentePhysiotherapie (Krankengymnastik) und Infiltrationen. Besonders bei Patienten mit wiederholten Rückenproblemen lohnt sich auch ein Blick auf Stressfaktoren im Alltag, die zu Muskelverspannung und damit zu weiteren Schmerzen führen. Grundlage für die Beleuchtung dieser oft im Dunkeln liegenden Schmerzauslöser ist das Münchner Rückenschmerzmodell. 

Sollte eine Operation unumgänglich werden, können wir sowohl das Verfahren als auch den passenden Operateur empfehlen. Wir vereinbaren die notwendigen Termine und sorgen für die postoperative Nachsorge.  

Bandscheibenvorfälle sind oft gar nicht die Schmerzursache

Ein anderes weit verbreitetes Märchen ist der Glaube, dass Bandscheibenvorfälle stets mit Schmerzen verbunden sind. Das ist falsch! Rund die Hälfte der Siebzigjährigen hat einen Bandscheibenvorfall ohne jegliche Symptomatik. Der Nachweis eines Bandscheibenvorfalls in einer Kernspintomographie ist noch längst keine Diagnose. Für die Interpretation des Bildmaterials ist sowohl Erfahrung als auch die genaue Kenntnis der aktuellen Beschwerden unerlässlich. Ein Befundbericht des Radiologen kann die eigene Interpretation der Bilder dabei nicht ersetzen. 

Im Zweifelsfall helfen diagnostische Blockaden. Dabei setzen wir Spritzen punktgenau unter Röntgenkontrolle und unterbrechen die Schmerzweiterleitung. So lassen sich schmerzverursachende Nerven oder andere Strukturen ausfindig machen.

»Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber
ohne Gesundheit ist alles nichts.«

Schopenhauer

Schmerzschrittmacher gegen chronische Rückenschmerzen

Bei länger als 6 bis 9 Monate bestehenden Rückenschmerzen ist eine Verselbstständigung oder Chronifizierung des Schmerzgeschehens zu beobachten: Lag anfangs „nur“ eine Störung der Wirbelsäulenanatomie vor, bedeutet Chronifizierung ein Teufelskreis aus Schmerz, schmerzverstärkender Schonhaltung und psychischer Beeinträchtigung. Soll die Unterbrechung dieses Teufelskreises gelingen, erfordert die Diagnostik und Therapie die Einbeziehung aller Komponenten. Hier setzt das Münchner Rückenschmerzmodell an, das die psychosozialen Hintergründe des Krankheitsgeschehens ans Licht bringt.

Bei vielen chronischen Schmerzpatienten wurden bereits Operationen durchgeführt. Oft konnte damit zwar eine kurzfristige Linderung erzielt werden, eine längerfristige Schmerzreduktion blieb jedoch aus. Ein Blick auf die Statistik zeigt: Bei 30 % der Bandscheibenoperierten kommt es zu keiner Schmerzminderung. Und um die 20 % aller Patienten, deren Wirbelsäule versteift wurde, klagen postoperativ über bleibende oder sogar zunehmende Schmerzen. In der Fachliteratur hat sich dafür der Begriff des „Failed-Back-Surgery-Syndroms“ eingebürgert: das Syndrom des kaputt operierten Rückens. Statt weiterer Standardoperationen brauchen diese Patienten eine tragfähige Alternative. 

Neben der Ausschaltung individueller Stressfaktoren kann hier ein Schmerzschrittmacher helfen. Die elektrische Unterdrückung der Weiterleitung von Schmerzimpulsen im Rückenmark sorgt für Erleichterung. Bei 70 % der Patienten können wir eine Schmerzminderung um die Hälfte erzielen. Hier erfahren Sie mehr über den Schmerzschrittmacher

Für ein persönliches Beratungsgespräch können Sie Kontakt mit der Schmerzwerkstatt München aufnehmen.