Neuromodulation als Alternative bei chronischen Rückenschmerzen

Fahrradfahren, Gartenarbeit, mit den Kindern spielen: Mit Hilfe der Neuromodulation, im Volksmund eines „Schmerzschrittmachers“ soll wieder möglich werden, was chronischen Rückenschmerzpatienten lange Zeit verwehrt bleibt. Wir sind spezialisiert auf dieses Thema – insbesondere bei mehrfach an der Wirbelsäule voroperierten Patienten. 

Dieser Ansatz hat gegenüber anderen Verfahren zwei wesentliche Vorteile: Erstens kommt es zu keiner irreversiblen Schädigung der Nervenstruktur. Zweitens ist die punktuelle Gabe elektrischer Energie im Gegensatz zur Einnahme von Medikamenten frei von Nebenwirkungen.

Was ist Neuromodulation?

Das Prinzip der Schmerzminderung bei der Neuromodulation beruht auf einer Verringerung der Leitung von Schmerzimpulsen. Allen Techniken der Neuromodulation gemeinsam ist, dass die Verringerung der Schmerzimpulsleitung durch die gezielte Anwendung elektrischer Störimpulse hervorgerufen wird.  Die verschiedenen Techniken der Neuromodulation unterscheiden sich, neben der Art der verwendeten elektrischen Energie, in der Häufigkeit der Energieabgabe.

Video zur Neuromodulation

Rückenmarkstimulation – unser Spezialgebiet im Überblick

  • Die Rückenmarkstimulation ist eine seit Jahren bewährte und leitliniengerechte Therapie bei chronischen Schmerzen. Die meisten unserer SCS-Patienten leiden an anhaltenden Rücken- und Beinschmerzen nach vorausgegangenen Rückenoperationen.
  • Auf das Rückenmark platzierte Elektroden sind mit einem kleinen Stromgenerator verbunden und reduzieren die Schmerzweiterleitung in der Schmerzbahn des Rückenmarks. Dadurch erzielen wir bei 70 % unserer Patienten eine Halbierung der Schmerzen. 
  • Bei Verwendung der entsprechenden Geräte ist ein aktives Leben wieder möglich.

Schmerzregulation per Knopfdruck: Wie funktioniert die Rückenmarkstimulation?

Ein SCS-System besteht aus einem kleinen unter die Haut implantierten und kaum sichtbaren Impulsgeber und speziellen Kontaktdrähten. Diese Kontaktdrähte, auch als Elektroden bezeichnet, liegen dem Rückenmark und damit der Schmerzbahn auf. Vom SCS-Impulsgeber erzeugte elektrische Störsignale bewirken eine Verringerung der Rate an Schmerzimpulsen, die im Rückenmark zum Gehirn geleitet werden. 
Der Patient steuert seinen „Schmerzschrittmacher“ mit einer kabellosen Fernbedienung und gewinnt dadurch die Kontrolle über seine Schmerzen zurück. War früher eine Verringerung der Schmerzsignale mit einem Kribbelgefühl im ehemaligen Schmerzgebiet verbunden, so tritt dieses Phänomen bei Geräten der neuesten Generation nicht mehr auf. 

Rückenmarkstimulation – warum bei uns?

Weltweit gibt es mehr als 350.000 Patienten, die erfolgreich mit der SCS (engl.: Spinal-Cord-Stimulation) behandelt wurden. In Deutschland werden pro Jahr derzeit ca. 2.500 Patienten mit einem SCS-System versorgt. Allerdings besteht ein geschätzter Bedarf von ca. 10.000 – 12.000 „Schmerzschrittmachern“. Die Gründe für diese Unterversorgung liegen neben den Kosten in den mangelnden Kenntnissen vieler Ärzte über diese Therapieform. 

Was Sie bei uns erwartet:

  • großer Erfahrungsschatz dank 150 Operationen pro Jahr
  • Neuromodulationen seit 1993
  • herstellerunabhängige Geräte-Empfehlung je nach Patientenbedürfnis
  • regelmäßige Nachsorge

Dr. Gall führt weit mehr als 150 Eingriffe pro Jahr durch. Als Leiter der Arbeitsgruppe „Intraoperatives Neuromonitoring“ in der Neurochirurgischen Klinik der Universität München im Klinikum Großhadern beschäftigte er sich  bereits Anfang der 90er Jahre mit Fragen rund um das Thema „Strom“ in der Neurochirurgie. Diese Erfahrung hilft, mögliche Risiken und Komplikationen zu reduzieren. 

Die verschiedenen neuromodulatorischen Verfahren lassen sich durch Häufigkeit der Stromanwendung unterscheiden:

1) einmalige Anwendung elektrischer Energie: Thermodenervierung / Radiofrequenzablation
Weitere Informationen zur Thermodenervierung

2) intermittierende Stromanwendung: TENS
Bei der Transkutanen Elektro – Neuro- Stimulation (TENS) erfolgt die Stromanwendung im Schmerzgebiet 1 – 2 Mal pro Tag für 10 – 15 Minuten mit Hilfe von wiederverwendbaren Klebe-Elektroden. Die Klebe-Elektroden werden auf die Haut über dem Schmerzgebiet aufgebracht und sollen ein etwa handtellergroßes Hauptschmerzareal abdecken. Die Stromquelle ist ein kleines Handgerät, das der Patient selbst bedient. Die Behandlung ist schmerzlos. Die Kosten übernimmt im Regelfall die Krankenkasse. Wir unterstützen unsere Patienten in der Auswahl des richtigen Geräts und schulen sie in der korrekten Handhabung. 

3) Kontinuierliche Anwendung elektrischer Energie: Rückenmarkstimulation (engl.: Spinal-Cord-Stimulation)
Dabei wird ein System aus Impulsgeber, ähnlich einem Herzschrittmacher, mit dazugehöriger Elektrode in den Körper unter die Haut implantiert. Damit ist die kontinuierliche Abgabe elektrischer Energie auf die Schmerzbahnen des Rückenmarks sichergestellt.

»Wir sind das, was wir wiederholt tun. Hervorragende Leistung ist dann keine Handlung, sondern
eine Gewohnheit.«

Aristoteles

Risiken und Nebenwirkungen

Infektionen und Wundheilungsstörungen sind extrem selten. Theoretisch sind Beeinträchtigungen von Nerven und Rückenmarksfunktion denkbar und in der Fachliteratur beschrieben. Im klinischen Alltag gehören sie aber zu den absoluten Raritäten. Die von uns gewählte Technik der Implantation von Elektroden in örtlicher Betäubung hilft, unerwünschte Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln. So können negative Langzeitfolgen vermieden werden. 

Unabhängigkeit von Herstellern

In den letzten 10 Jahren fand eine tiefgreifende technische Weiterentwicklung der SCS-Systeme statt.  Dieser Fortschritt eröffnete die Möglichkeit, „Nervenschrittmacher“ gezielt nach den Bedürfnissen der Patienten auszuwählen. Grundlage ist eine herstellerunabhängige Auswahl der Implantate. In der Schmerzwerkstatt München kooperieren wir  eng mit verschiedenen Herstellern. Wir sind und bleiben jedoch unabhängig und nutzen dies für individuelle Therapiekonzepte. 

Kostenübernahme der Krankenkasse

Nachdem die Rückenmarkstimulation ein anerkanntes Therapieverfahren zur Behandlung chronischer Schmerzen ist, werden auch sämtliche Kosten von den Krankenkassen getragen. Wir übernehmen den in Einzelfällen notwendigen Schriftwechsel mit den Kostenträgern. Unsere Doppelkompetenz aus Neurochirurgie und Spezieller Schmerztherapie erleichtert die Kommunikation mit Ihrer Versicherung.  

Ablauf der Implantation: Testphase gibt Sicherheit

Für ein optimales Behandlungsergebnis wählen wir bei SCS-Implantationen in der Regel ein zweizeitiges Vorgehen. Im ersten Schritt wird die Elektrode im Rahmen eines knapp einwöchigen Krankenhausaufenthaltes in örtlicher Betäubung über eine kleine Punktion auf das Rückenmark platziert.   
In der folgenden „Testphase“ wird der Impulsgenerator in einem Gürtel auf der Haut getragen. Alle unsere Patienten testen das SCS-System über mehrere Tage in der Klinik. Nur unsere Patienten entscheiden auf der Basis der subjektiven Schmerzminderung über das weitere Vorgehen. 
Bei den Patienten, die bereits nach wenigen Tagen in der Testphase über eine mindestens 30-prozentige Schmerzreduktion berichten, wird nach weiteren 3 Wochen der endgültige Impulsgeber unter die Haut implantiert. Dieser 2. Eingriff dauert ca. 20 Minuten und kann je nach Wunsch in örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt werden. Ein bis zwei Übernachtungen in der Klink sind dafür vorgesehen.   

Regelmäßige Nachsorge für nachhaltige Therapie-Erfolge

Engmaschige Nachsorge nehmen wir ernst. Neue Lebenssituationen unserer Patienten verändern auch den Strombedarf. Hier sind gelegentliche Anpassungen notwendig. Jedes technische Gerät sollte darüber hinaus von Zeit zu Zeit auf seine vollständige Funktionstüchtigkeit hin überprüft werden. Alle unsere Patienten werden daher regelmäßig alle 3 Monate zu einer Sprechstunde eingeladen. Hier überprüft ein Techniker des Herstellers sämtliche Funktionen. Daran schließt sich die klinische Kontrolle des SCS-Systems durch ihren Operateur an. Nur so kann der anfängliche Therapie-Erfolg dauerhaft gewährleistet werden. Bei dringlichen Rückfragen stehen wir unseren Patienten selbstverständlich jederzeit zur Verfügung. 

Behandlungsergebnisse: Schmerzlinderung um 82 % möglich

Auch mit einem „Nervenschrittmacher“ ist eine vollständige Schmerzfreiheit in den meisten Fällen kein realistisches Behandlungsziel. Uns geht es um eine ehrliche Verbesserung der Lebensqualität bei individuell unterschiedlicher Schmerzreduktion.  

50 % der unserer Patienten berichten nach Einsetzen des Geräts von einer Schmerzminderung um 82 %. Rund 70 % der Patienten erfahren eine Linderung um 50 %. In manchen Fällen ist ein vollständiges Absetzen der Medikamente möglich, in anderen eine Reduzierung der Dosis.  

Sie entscheiden durch die Fernbedienung selbst über die Aktivierung des Neurostimulators. Sie können die Anwendung jederzeit beenden und das Gerät folgenlos ausschalten. 

Wann ist ein Schmerzschrittmacher sinnvoll?

Erste Verfahren der Neuromodulation wurden bereits vor 40 Jahren entwickelt. Bei ausbleibendem Therapie-Erfolg trotz dauerhafter Medikamentengaben oder mehrfachen OPs ist Schmerzschrittmacherimplantation eine echte Alternative für Patienten mit chronischen Schmerzen, die ihre Lebensqualität zurückgewinnen wollen. Die Methode ist für ausgewählte Schmerzen in Brust-, Lenden- und Halswirbelsäule geeignet (BWS/LWS/HWS). Dabei spielt weniger die Schmerzlokalisation eine Rolle. Entscheidend für den Therapie-Erfolg einer Rückenmarkstimulation ist die Schmerzursache. Vor allem bei Nervenschmerzen ist eine deutliche Schmerzreduktion zu erwarten. 

Indikationen für eine Neurostimulation:

  • Failed-Back-Surgery-Syndrom: bleibende Schmerzen nach Operationen am Rücken, zum Beispiel nach einem Bandscheibenvorfall oder einer Versteifung
  • Zosterneuralgie (anhaltende Nervenschmerzen nach vorangegangener Gürtelrose)
  • dauerhafte Nervenschmerzen in Armen oder Beinen (Morbus Sudeck oder CRPS)
  • mangeldurchblutungsbedingte Schmerzen bei Verengungen der Blutgefäße (periphere arterielle Verschlusskrankheit)
  • Schmerzen bei einer Angina pectoris oder nach einer Brustentfernung 

Nicht bei allen Schmerzpatienten kann ein Nervenschrittmacher implantiert werden. Bestimmte Allergien oder seltene psychische Erkrankungen gehören zu möglichen Kontraindikationen. Bei Fragen helfen wir gern weiter. 

Welches System eignet sich am besten?

Vor allem bei voroperierten Wirbelsäulen-Patienten kann ein Schmerzschrittmacher ein Weg zu einer signifikanten Schmerzminderung sein. In diesem Fall stehen verschiedene Systeme zur Auswahl. Statt der batteriebetriebenen Modelle mit einer Lebensdauer von 3-5 Jahren haben wiederaufladbare Impulsgeber der neuesten Generation eine Lebensdauer von 8-12 Jahren. Die Akkus dieser letztgenannten Systeme muss der Patient allerdings regelmäßig laden. Ziel unserer Beratung ist die Auswahl eines Systems, das den individuellen Bedürfnissen unserer Patienten Rechnung trägt. In allen Fällen ist die gesetzliche oder private Krankenkasse der Kostenträger. Gerne beraten wir Sie über die Details. 

Wie lebt man mit einem Schmerzschrittmacher?

In der Schmerzwerkstatt München bevorzugen wir Geräte mit möglichst langer Lebensdauer, um die Anzahl weiterer Eingriffe zu reduzieren. Ein Vergleich: Bei nicht-wiederaufladbaren Batterie-Systemen ist ein Wechsel bereits nach 3-5 Jahren notwendig. Die Lebensdauer wiederaufladbarer mit einem Akku betriebener Systeme beträgt dagegen bis zu 12 Jahre.

Dem steht allerdings der wöchentliche Ladevorgang mit einer Dauer von 45 – 60 Minuten gegenüber. Auch spezielle Röntgenuntersuchungen sind mit SCS-Systemen der neuesten Generation möglich. Selbst eine kernspintomographische Untersuchung kann mit eingebautem Nervenschrittmacher durchgeführt werden. 

Sie möchten Ihre chronischen Rückenschmerzen behandeln lassen und Ihr Leben zurückgewinnen? Hier können Sie Kontakt mit uns aufnehmen.